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NEUE GRUNDLEGUNG DER MEDIENPSYCHOLOGIE

Von (09.03.2018)    /    Aktuelles

Medien und Kultur – die Entwicklungsgeschichte der Medien(Seele) als Grundlage der Medienpsychologie.

Die Bildung einer Kultur ist eine Ganzheit, die Zusammenleben und Sinnfinden von Menschen organisiert (Hobbes). Dabei sind von vornherein Gespräch, Ruf, Mitteilung impliziert: ohne die Wirkungseinheit mit anderen ist kein Mensch existenzfähig.

Mit jeder Kulturbildung sind notwendig Verwandlungen der Wirklichkeit (als Urphänomene) am Werk: Liebe, Arbeit, Gewalt, Krieg, Wiederholungen, Krisen. Von Anfang an finden diese Werke in Zweieinheiten mit Medien statt: Zusammen- arbeit und Lieder, Krieg und Gesänge, Liebe und Lyrik, Gottes- dienst und Architektur, Alltag und Information/Kommentar. Der Mensch ist eine Medien=Existenz. Medien und kollektive Werke formen sich in Kreisprozessen gegenseitig. Eine Trennung in „Inhalt“ (Eigenschaften) und „Form“ der Medien macht keinen Sinn. Die Form ist der Inhalt.

Medien sind wortwörtlich „Vermittlungen“ oder „Dazwischen“ des menschlichen Existierens. Sie schaffen Austausch, Umsatz und Bewegung in Wirkungseinheiten des Überlebens. In Ausdrucksbildungen, in Gestaltung-Umgestaltung, erfahren Menschen, wer sie sind. Gespräche, Klatsch, Werbung, Predigt, Romane, Kunst sind Formen des gesellschaft- lichen Selbst-Verstehens. Es läuft auf eine Verkürzung der Lebens-Ganzheit hinaus, wenn Medien mit Cognition-Emotion, Sender-Empfänger, Reiz-Reaktion „erklärt“ werden. Eine welthaltige Medien-Psychologie braucht andere Kategorien:

1) Verstehen durch Beschreiben
Medien lassen sich durch Beschreiben verstehen. Da Medien nichts für sich sind, sondern „Organe“ des menschlichen Existierens, kommt es darauf an, Medien als Medien des gesellschaftlichen Lebens zu beschreiben. Es reicht also nicht, Erzählungen von Wilhelm Busch, Karl May oder der Tagesschau nachzuerzählen. Zu beschreiben sind die geschichtlichen Prozesse, in denen sich Medien und menschliches Leben gegenseitig formen. Beschreiben und Verstehen entdecken in einem genetischen Prozess den „Sinn“ von Medien. So lassen sich Bilderzählungen im Anfang der Kulturen als Behandlung von Unruhe verstehen, als Gesprächs-Klatsch. Kreisprozesse zwischen Alltag und Kunst geben dem Gesprächs-Klatsch (als Medien-Prototyp) Gestalt – heutzutage beispielsweise in TV- Serien.

2) Medien-Mechanismen
Das Beschreiben der Medien=Existenz führt auf grundlegende Mechanismen, mit denen Medien arbeiten, um das Leben in Gestalt zu bringen: beispielsweise Vereinfachungen, Abstraktionen, Umdeutungen, Ergänzungen, Dramatisie- rungen, Platzanweisungen, Bildlogik, Missverstehen (Fehlleistungen). Um die Welt zu gestalten, verwandeln Medien die Welt. Sie sind daher immer in irgendeiner Weise „manipulativ“.

3) Medien-Verfassungen
Außer diesen Bildungsgesetzen von Medien sind für eine verstehende Medienpsychologie die Vermittlungs-Verfassungen von Bedeutung. Verfassungen beschreiben Grundformen der Beziehung zwischen Menschen und Medien im Alltagskontext: beispielsweise Beeinflussung (Werbung), Unterrichten (auch Schulen sind Medien), Dichtungen/Mythen sowie der permanente Info-Dusel (in Zeiten des Techno-Desasters). Medien finden Gehör, indem sie sich den Tageslauf-Verfassungen anpassen. Bierreklame passt nicht zum Frühstück, wohl aber zum Sonntagabend-„Tatort“.

4) Unerreichbarkeiten in Medien
Wie alle menschlichen Produktionen sind auch Medien durch Unerreichbarkeiten ganz besonders fasziniert: an der Gestaltung von Utopien, Paradiesen, Unendlichkeiten und Ewigkeiten (!) mühen Medien sich unermüdlich und stets vergeblich ab; gotische Kathedralen wie das iPhone. Die Entwicklungsgeschichte der Medien(Seele) dreht sich um die Paradoxien der endlichen Existenz.

Dieser Aufsatz basiert auf Notizen meines Vaters zu unseren Gesprächen im Frühjahr 2016. 

 

  

 

SALBER INSTITUT für tiefenpsychologische Beratung